Einschlafstillen abgewöhnen? Muss mein Baby lernen, ohne Brust einzuschlafen?
Dein Baby schläft am liebsten an der Brust ein?
Vielleicht funktioniert das Einschlafstillen sogar wunderbar. Und trotzdem fragst du dich, ob du deinem Baby das Einschlafstillen irgendwann abgewöhnen solltest.
Vielleicht hast du gehört, dass ein Baby lernen muss, ohne Stillen einzuschlafen. Rund um den Babyschlaf entsteht schnell der Eindruck, gutes Schlafen bedeute vor allem, möglichst wenig Unterstützung zu brauchen.
Dabei lohnt sich zuerst eine ganz andere Frage:
Ist Einschlafstillen überhaupt ein Problem?
Einschlafstillen beim Baby ist ziemlich logisch
Stillen bedeutet für ein Baby weit mehr als Nahrungsaufnahme, es bedeutet Nähe und Sicherheit. Dein Baby spürt deine Wärme und deinen Körper. Das Saugen wirkt beruhigend und hilft vielen Babys dabei, langsam zur Ruhe und schließlich in den Schlaf zu finden.
Dass Babys gerne beim Stillen einschlafen, ist deshalb keine schlechte Angewohnheit. Es ist eine Form der Regulation, die sehr gut zu ihrer Entwicklung passt.
Auch aus evolutionsbiologischer Sicht ist das nachvollziehbar. Babys waren über den größten Teil der Menschheitsgeschichte beim Schlafen ganz selbstverständlich in der Nähe ihrer Bezugspersonen.
Nähe bedeutete Sicherheit.
Dass dein Baby diese Nähe gerade beim Einschlafen sucht, ist also alles andere als ungewöhnlich.
Muss mein Baby lernen, alleine einzuschlafen?
Diesen Gedanken kennen viele Eltern.
Doch die Fähigkeit, sich selbst zu regulieren, entwickelt sich erst nach und nach. Am Anfang braucht ein Baby dafür uns Erwachsene.
Wenn dein Baby müde wird oder nicht mehr gut zur Ruhe findet, hilfst du ihm dabei, wieder in einen entspannten Zustand zu kommen. Genau das ist Co-Regulation.
Aus vielen solchen Erfahrungen entwickelt sich mit zunehmender Reife Schritt für Schritt mehr Selbstregulation.
Nähe steht der Selbstständigkeit deines Kindes also nicht im Weg. Sich sicher begleitet zu fühlen, schafft vielmehr eine gute Grundlage dafür, später immer mehr selbst zu können.
Wenn du mehr darüber lesen möchtest, warum Babys Schlaf nicht erst „lernen“ müssen, findest du hier meinen Blogartikel „Schlaftraining beim Baby: Methoden, Auswirkungen und bindungsorientierte Alternativen“:https://www.mamamiaberatung.com/post/schlaftraining-baby
Muss ich meinem Baby das Einschlafstillen abgewöhnen?
Nein! Nicht, solange es für euch funktioniert.
Es gibt kein bestimmtes Alter, ab dem dein Baby nicht mehr an der Brust einschlafen darf. Du musst das Einschlafstillen auch nicht vorsorglich beenden, nur weil daraus eine Gewohnheit werden könnte.
Wenn dein Baby beim Stillen entspannt einschläft und sich dieser Weg auch für dich gut anfühlt, darf es genauso bleiben.
Die viel wichtigere Frage ist: Passt die Art, wie wir gerade einschlafen, noch für uns?
Denn auch deine Bedürfnisse zählen
Bedürfnisorientierung bedeutet nicht, dass nur die Bedürfnisse deines Babys zählen.
Vielleicht hat das Einschlafstillen lange wunderbar für euch funktioniert und irgendwann merkst du: Für mich passt es so nicht mehr.
Auch das ist in Ordnung.
Du musst keine Schlafsituation aushalten, nur um bedürfnisorientiert zu handeln. Auch deine Grenzen und dein Wohlbefinden gehören mit in den Blick.
Wenn du etwas verändern möchtest, darf diese Veränderung so gestaltet werden, dass dein Baby weiterhin begleitet wird und sich sicher fühlen kann.
Einschlafstillen sanft verändern – wenn du es möchtest
Veränderung muss nicht bedeuten, deinem Baby von heute auf morgen die Brust zum Einschlafen wegzunehmen.
Gerade wenn Stillen für dein Baby ein wichtiger Weg ist, um zur Ruhe zu kommen, können zunächst andere Möglichkeiten dazukommen.
Diese neuen Wege lassen sich oft leichter tagsüber kennenlernen. Vielleicht merkt dein Baby, dass auch enger Körperkontakt beim Runterkommen hilft oder Bewegung beruhigend sein kann.
Es darf erst etwas dazukommen, bevor etwas wegfällt.
So kann dein Baby nach und nach weitere Möglichkeiten kennenlernen, ohne dass sein vertrauter Weg plötzlich verschwinden muss.
Kann Papa mein Baby ins Bett bringen, obwohl ich einschlafstille?
Ja, natürlich.
Babys können sehr gut unterscheiden, wer sie gerade begleitet. Und sie können mit unterschiedlichen Bezugspersonen auch unterschiedliche Wege in den Schlaf entwickeln.
Wenn dein Baby bei dir die Brust zum Einschlafen kennt, bedeutet das deshalb nicht, dass Papa die Brust irgendwie „ersetzen“ muss.
Papa darf seinen eigenen Weg finden.
Und dieser Weg darf sich erst entwickeln. Es ist völlig in Ordnung, wenn es anfangs anders läuft oder dein Baby etwas Zeit braucht.
Du musst deshalb nicht zuerst das Einschlafstillen abgewöhnen, damit Papa oder eine andere vertraute Bezugsperson dein Baby in den Schlaf begleiten kann.
Dein Baby darf bei dir einschlafstillen und gleichzeitig erfahren: Mit Papa sieht Einschlafen anders aus – und ich bin auch hier sicher begleitet.
Einschlafstillen ist keine schlechte Angewohnheit
Du hast deinem Baby nichts Falsches angewöhnt, wenn es an deiner Brust einschläft.
Stillen stillt nicht nur Hunger. Es kann Nähe schenken, beim Regulieren helfen und ein vertrauter Weg in den Schlaf sein.
Solange dieser Weg für euch beide passt, gibt es keinen Grund, etwas daran zu verändern.
Und wenn es irgendwann nicht mehr passt, darf ein neuer Weg entstehen.
Nicht von heute auf morgen und nicht gegen dein Baby, sondern gemeinsam und in eurem Tempo.
Denn bindungs- und bedürfnisorientierter Babyschlaf bedeutet nicht, dass Mama alles aushalten muss.
Es bedeutet, dein Baby mit seinen Bedürfnissen ernst zu nehmen – und dich selbst dabei nicht aus dem Blick zu verlieren.
Wenn sich euer Weg irgendwann verändern darf
Vielleicht nimmst du aus diesem Artikel vor allem eines mit: Einschlafstillen muss nicht verändert werden, nur weil dein Baby dabei deine Unterstützung braucht.
Solange es sich für euch beide gut anfühlt, darf es genau so bleiben.
Und genauso darfst du merken, wenn sich etwas verändert. Wenn du dir mehr Entlastung wünschst oder andere Wege beim Einschlafen entstehen dürfen, muss das nicht von heute auf morgen passieren.
Manchmal braucht es dafür gar keine große Veränderung. Manchmal hilft es schon, die eigene Situation besser zu verstehen und zu wissen, an welchen kleinen Stellen ihr ansetzen könnt.
Wenn du dir dabei Unterstützung wünschst, schauen wir in meiner bindungs- und bedürfnisorientierten Schlafberatung gemeinsam auf euer Kind und eure ganz persönliche Schlafsituation. Nicht mit einer Lösung, die für alle passen soll, sondern mit einem Weg, der sich für euch als Familie stimmig anfühlt.
Eine Übersicht über mein Angebot findest du hier: https://www.mamamiaberatung.com/schlafberatung-fuer-babys-und-kinder



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